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(William Shakespeare, 1601,
Idee: Zu Shakespeares Zeiten wurde der Beginn der Karnevalszeit bereits mit Maskenspielen gefeiert, in denen die Menschen durch Verkleidung vorübergehend ihre Identität wechseln.)
Wer da glaubt, in einer Kunstgalerie lebt es sich ruhig und vergnügt, der irrt gewaltig. Manch einer denkt sehr wohl, das Aufsichtspersonal gäbe sich dem stundenlangen Müßiggang hin, was auch stimmt, sofern man aushelfend als Aufsichtspersonal ein paar Strickstunden am Wochenende absitzt. Wenn aber, wie mir geschehen, arbeitstechnisch eine multiple Persönlichkeit vorausgesetzt wird, hat der Tag mitunter viel zu wenig Stunden. Obgleich ich manchmal des Abends die Wände anstarre und denke
nein, denken kann ich dann eigentlich nicht mehr, nur noch die Wand anstarren.
Und dennoch: Ich liebe diesen Job!
Liebe kann bekanntlich vieles aushalten
Tage wie diesen. Er ging nicht sehr heiter los, weil allein das Wetter alles andere als fröhlich war. In der Post die Absage, das ein im Versand beschädigtes Paket (mit Bildern) einem Transportschutz unterliegen würde. Achselzucken und Bedauern wegen fehlenden, dringend benötigten Bürobedarfs. Die nächste Schreibwarenhandlung liegt 40 km weit entfernt.
Vor der Galerie wartete ein Jeep, beladen mit allerlei Kunst. Der Überbringer ward anderweitig beschäftigt, so dass mir allein oblag, die ca. 35 Kunstwerke auszuladen, 40 Stufen hochzutragen, auszuwickeln, einzuordnen, abzustauben, zu beschriften, zu katalogisieren.
Und es regnete.
Der Fotograf kam, baute sein Equipment auf und redete und redete, bestimmt vier Stunden am Stück. Ich trug ihm die Bilder von A nach B. Wenigstens brachte er dunkle Schokolade mit, und später fuhren wir Mittag essen. Da hielt er seinen Mund.
Ich kochte Kaffee, denn gleich darauf saßen 3 Männer an meinem Tisch. Auch die redeten und redeten, und alle gegen mich, gegen den Spielverderber. Weil ich ihnen ihre gut durchdachte Sause absagen musste. Die Mannen gingen zerknirscht, und sicherlich fluchend aufs sture Weibervolk. Kaum schloss sich die Tür, da stand der nächste Mann hinterm Glas. Kam mit einer Rose daher. Hörte mir auch seine Leier an. War charmant und genervt. Wandte mich von seinen schönen Augen ab.
Sah an ihm vorbei auf den röhrenden Hirsch an der Wand, nach dem soeben die telefonische Nachfrage einging, ich auf Rückfrage aber leider absagen musste, und das sehr knapp, obwohl der Wohlerzogene am anderen Ende der Leitung einige Worte Smalltalk wollte. Da die Mädels vom Laden unter mir aber unbedingt ihre Kaffeetassen fotografiert haben wollten, und zwar gleich, sie hätten so schön aufgebaut, damit die Rabattaktion in aller Munde sei, so niedlich, und auch bekannt würde übers Netz, und mein derzeitiger Gegenüber mit seinen hübschen Augen was vollführte, was ich aber nicht sehen wollte, fuhr ich dem röhrenden Hirsch in die Parade und über den Mund, der so salbungsvoll quatschte und dem ich mich gerne hingegeben hätte, wäre da nicht gewesen
Dass mein anderes Telefon ringte und die Buchhaltung was wollte (Jahresabschluss schleierhaft), der Veranstalter aus Neustrelitz was wollte (Termin am Dienstag?), die Buchhandlung aus Neubrandenburg was wollte (Lesung), die Sparkasse was wollte (Sponsoring Weltkulturtag), der Chef was wollte (Familienchronik), mein Zahnarzt auf meinem Handy was wollte (Jahrestermin), der Chauffeur den Schlüssel wollte und die Postfrau eine Unterschrift und als alle ausgewollt hatten, da gab ich dem Schönling an meinem Tisch einen akkuraten Laufpass, weil ich die 120 Bilder im Vorzimmer irgendwie noch ins Lager verbringen musste (und nicht wollte), und zwar, bevor meine Damen zum Sportkurs kämen.
Ich stand auf, ging um den Tisch herum, nahm seinen Kopf in meine Hände, lächelte in seine schönen Augen hinein und gab ihm einen Kuss. Auf den Mund.
Ging wieder um meinen Tisch herum, in meine Festung zurück, lächelte unbestimmt nach irgendwo und sagte: Ich bin heute leider nicht fürs Wollen. Ein andermal vielleicht. Nun konnte er interpretieren. Mir wars egal, Hauptsache er hielte den Mund.
Was er tatsächlich tat. Und ging. Die Rose zwischen den Zähnen.
Nein. Aber so ähnlich. Wie auch immer.
Tage, wie dieser, sind unersetzlich. So voll und schön und überraschend. Dass die Zeit niemals reicht und alles passiert.
Endlich Urlaub!
Und schon wieder jeder was will. Freunde!
Ich bin auf einer Insel. Bätsch. Schreit doch, was ihr wollt.
Datum: 22.01.2012 18.57
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